Sonntag, 9. Dezember 1962 – Zukunftspläne

Zukunftspläne:

Sonntag, 9. Dezember 1962

Jetzt steht es für mich eigentlich schon fest, dass ich Lehrer werde. Bio und noch irgendein Fach. Mit Sylli habe ich darüber noch nicht gesprochen. Etwas Anderes bleibt mir ja doch nicht übrig. Die verdienen genug und haben ein gesundes Leben. Außerdem würde es mir Spaß machen. Schon in Bio. Das ist mein Lieblingsfach in der Schule. Aber auch erst seit vorigem Jahr. Das andere Fach als Lehrer vielleicht Chemie. Dieses Jahr kotzt mich Chemie ja gewaltig an. Aber wenn ich als Lehrer gehe, dann sowieso erst als Grundschullehrer. So 5. bis 10. Klasse. Die anderen sind mir zurzeit zu schlau. Später könnte man sich ja qualifizieren. Im Notfall kann man ja Englischlehrer werden. Aber auf keinen Fall Russischlehrer. Mir macht es immer Spaß, wenn ich Sylli was erklären muss. Aber wenn ich daran denke, so 25 bis 30 Schüler, da muss man schon Nerven wie Stricke besitzen. Aber man gewöhnt sich doch so ziemlich an alles. Ich spreche mit Sylli am Mittwoch einmal darüber.

Sie kann Schneiderin werden. Da kann sie später Heimarbeit machen. So wie ihre Mutter jetzt. Sie könnte ihr erst helfen und dann die Kunden übernehmen. Das wäre nicht verkehrt. Darüber spreche ich erstmal mit Sylli selber. …

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Montag, 5. November 1962

Montag, 5. November 1962

 

Höre gerade die Schlagerrevue. Christel Bach singt „Das hat noch Zeit“. Das ist ein Twist.

Wenn in den anderen Ländern etwas unmodern geworden ist, so kommt es zu uns. Drüben spielt man schon längst Madison. Aber es ist ja nicht verwunderlich….

Sonntag, 14. Oktober 1962

Sonntag, 14. Oktober 1962

 

Die Kartoffelferien habe ich glücklich hinter mich gebracht. Im Großen und Ganzen war es mal etwas Anderes. Trotzdem haben mich die Kartoffeln zum Schluss angekotzt.

Doch jetzt will ich einige Einzelheiten bringen. Da ich kein Tagebuch mithatte, muss ich das aus dem Gedächtnis bringen:

Losgefahren sind wir mit einem Bummelzug bis Großenhain. Dort begaben wir uns auf schnellstem Wege zu dem einzigen Bus, der da war (sonst waren nur noch LKW’s da!) Wir waren ungefähr 40 Boys. 20 ließen wir in Kmehlen, 10 Mann kamen nach Laubach und der Rest nach Gävernitz. Ich war unter denen in Laubach. Wir waren ein netter Haufen.

Als erstes wurden wir in unsere Quartiere eingewiesen. Wir lagen alle privat. Eine Schau war das. Das war auch das einzige Beste.

Von der Arbeit gibt es nicht viel zu berichten. Es ist mit der größte Mist, den ich kenne.

Am Abend quatschten ein paar von uns ein Mädchen aus dem Dorfe an. Ich kam zu ihnen. Wir unterhielten uns alle mit ihr. Eigentlich wollten wir sie einladen für unsere Antrittsparty am Abend, aber sie durfte nicht. Dann musste sie Milch holen gehen. Erst wollten wir ja alle mitgehen, aber dann blieb ich mit Holger H. alleine bei ihr.

Als erstes versuchte ich ihr abzugewöhnen, „Sie“ zu uns zu sagen. Übrigens, sie hieß Annerose. Ihre Mutter kannten wir ja vom Felde her. Sie lud uns dann mit nach oben ein. Ihre Oma erzählte uns viel von den Russen und vom Dorfe. Das war ganz schön interessant, aber wir waren ja nur Annerose wegen mit oben. Ich habe Annerose öfter angelächelt.  Ich war mir doch meiner Sache sicher.

Am nächsten Tag verabredete ich mich mit ihr wieder zum Milch holen. Da Holger H. nicht da war, habe ich ihn damit ausgespielt. Er war nicht sehr darüber begeistert. Am dritten Abend versuchte ich sie zu küssen. Davon wollte sie aber noch nichts wissen. Erst am nächsten Tag (Donnerstag) durfte ich sie zum Abschied küssen. Wir sahen uns das letzte Mal am Freitag früh. Da habe ich sie auch noch einmal geküsst. Schlecht ist das Mädchen nicht. Mal sehen, ob es morgen klappt, dann werde ich ihr schreiben. Sie macht sich sicherlich viel Hoffnung auf mich, denn sie schenkte mir noch eine Kette mit einem Herz, worauf geschrieben stand „Vergiss mich nicht“. Vielleicht fahre ich mal hin. Am 11. November ist dort Kirmes. Mals sehen, was sich machen lässt.

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Freitag, 6. April 1962

Freitag, 6. April 1962

 

Da habe ich gestern doch noch die „L-40“ fertig gebaut. Das war ein ganz schön harter Brocken. Insgesamt habe ich 636 Minuten (10 Stunden, 36 Minuten) an diesem Modell verbracht. Es stellt für mich einen Wert von 25,25 DM dar. Es sieht ganz nett aus. Angefangen habe ich am 17.2.1961. Tolle Sache!

In der Zwischenzeit hatte ich nicht gebaut. Doch jetzt geht es wieder vorwärts. Heute habe ich die „TU-114“ begonnen. Ich habe nur die Teile des Rumpfes ausgeschnitten, verstärkt usw. Mehr nicht. Es hat ungefähr 3 Stunden gedauert. Dieses Modell wird verdammt lange brauchen. Aber es steigt im Preis. Ich bin nur gespannt, wann ich fertig werde.

In der Schule war es heute wieder doof. Ich habe ein „4“ in Physik bekommen. Schadet aber gar nichts. Stehe jetzt im Durchschnitt auf 3,66. Das ist doch kein Beinbruch.

Die Russischstunden haben wir heute einfach ausfallen lassen. Mal sehen, was die in der Schule sagen. Morgen haben wir auch bloß bis 12.10 Uhr Schule. Das ist schön. Ich werde einmal Bio lernen. Vielleicht schreiben wir eine Arbeit.

Ich müsste auch wieder einmal etwas für die Schule tun.

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Buch SECHS – Sonntag, 1. April 1962

Sonntag, 1. April 1962

 

„Staatsfeiertag“

 

Heute vor einem Jahr lernte ich Syli kennen. Ich habe es nicht bereut, sie damals angesprochen zu haben. Nun beginnt wieder ein Jahr. Ich bleibe Syli immer treu. Sie ist bezaubernd. …

Gestern waren wir zu einer „Birthday Party“. Heidi Cz. Aus meiner Klasse hatte Geburtstag. Sie hatte alle Mädchen aus der Klasse eingeladen.  Mit Peter T. bin ich auch hingegangen. Wir haben das Tonbandgerät mitgeschleppt. Wir wurden dort mit großem „Hallo“ empfangen.

Zottel und Ingo waren schon da. Stimmung war eigentlich noch nicht vorhanden gewesen, da hatten wir noch gefehlt. Zum Tanzen kamen wir erst spät. Den ersten Tanz tanzte ich mit Franziska. Doch nach und nach tanzte ich bloß noch mit Heidi. Die tanzte so einen guten Boogie. Wir haben ganz schön gerockt.  Ich natürlich am schlimmsten.

Dann sind wir noch einmal nach Bier gegangen. Franziska, Heidi, Peter und ich. Peter hielt sich immer schön bei Franziska. Naja, da bin ich eben bei Heidi geblieben. Aber ganz neutral. Nachdem wir nun das Bier hatten, was mit enormen Umständen verbunden war, ging es zurück. Wir wurden schon erwartet. Wir rockten weiter rum.

Die ersten 4 Mädchen wollten nach Hause gehen. Heidi wollte sie bis an die Haltestelle bringen. Sie fragte, wer sie begleiten würde. Da sich niemand erhob, sprang ich auf. Den Blick von Franziska hätte man fotografieren müssen. Damit hätte man Elefanten töten können.

Heidi machte sich unterwegs Vorwürfe, weil sie Franzi nun so verärgert hatte. Ich erzählte ihr nun aber, dass das mit Absicht von mir aus geschah, weil sie mir zu Fasching keinen Kuss gab, Heidi erzählte mir nun, dass Franzi ihr vorher erzählt hätte, dass es ohne mich keinen Spaß machen würde. Sie hätte sich ungemein gefreut als ich dann doch noch kam.  Sie war ja auch noch die erste unten gewesen, nachdem wir geklingelt hatten. Aber das ist mir ja gar nicht aufgefallen.

Als wir nun zurückkamen, versuchte ich, Franziska umzustimmen. Aber sie blieb trotzig. Heidi gab mir ein kleines Täfelchen Schokolade. Ich hielt es ihr hin und bat sie, die Hälfte abzubeißen. Aber da wollte sie auch nicht.

Als wir dann nach Hause gingen, Franziska, Peter, Ingo und ich, machte ich den Vorschlag, sie nach Hause zu bringen, natürlich ich allein. Sie antwortete mit einem Gegenvorschlag „Sie wolle allein nach Hause gehen“. Ich sagte nur, „Der Vorschlag ist gut. „Auf Wiedersehen“. Dann kümmerte ich mich nicht mehr um sie!

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Dresden erleben in den 60er Jahren

Dresden 1959 bis 1965

 

Eine Geschichte zum Schmunzeln, und doch nach einer wahren Begebenheit.

 

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Begleiten Sie den jungen Mann Peter bei seiner Selbstfindung während der Zeit von 1959 bis 1965, von ersten zarten Begegnungen mit dem anderen Geschlecht bis zu seiner Hochzeit sowie bei seinen Gedanken zu seiner Zukunft und zum Weltgeschehen.

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Aufgeschrieben in 12 Tagebüchern.

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Alle Bücher können selbstverständlich auch einzeln gelesen werden!

 

 

Bisher sind FÜNF Bände bei Amazon erschienen

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Buch VIER – 12. Juni 1961

Mädels sind doch unberechenbar

 

 

Auszug vom 12. Juni 1961

 

Hinterher sind wir zum Sprungturm am Fucikplatz gegangen. Erst standen wir unschlüssig herum. Dann fragten wir, ob wir auch einmal springen dürften. Wir durften. Der Spaß kostete uns 0,30 DM. Nachdem man mir so einen Gurt um den Bauch gewickelt hatte, stieg ich die Stufen empor. Schon der erste Absatz kam mir unverschämt hoch vor. Als ich oben war, wurde mir ganz anders. Aber ich akklimatisierte mich bald. Karle kam dann auch bald hoch. Man hatte eine schöne Sicht da oben. Er war doch mindestens 20 Meter hoch. Dann kam ich mit springen dran. Angst hatte ich gar keine. Die Tür öffnete sich und ich sprang herunter. Als ich das erste Stück im freien Fall herunterschoss, wurde mir dennoch ganz anders. Aber das ging gleich weg. Ich kam unten gut an. Fallschirmspringen geht eine Schau. Ich werde bald wieder springen. …

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Montag

Auszug von Montag

Montagvormittag, zur gleichen Zeit, steht Bommes im Büro am Flipchart, klebt die beschriebenen Blätter systematisch an die freie Wand und ergänzt die Angaben von Frau Bachhuber. Dann tritt er zurück, betrachtet das Arrangement. Wo ist der Zusammenhang? Was wollte Markus nur am Sonntagvormittag an der Ruine? Mit wem wollte er sich dort treffen? Hat dieser mysteriöse Mr. T damit zu tun? Bis jetzt ist es sehr verwirrend. Hoffentlich bekommt Elstermeier etwas Ergebnisreiches in der Schule heraus. Er liest sich nochmals die stichwortartig notierten Fakten des Gesprächs mit Theresa Bachhuber durch. Moment, Theresa – T??? Wie vor den Kopf geschlagen war er denn gestern?

 

Er geht zum Schreibtisch, nimmt das Telefon und wählt Bachhubers Nummer. Es klingelt.

„Hauptkommissar Bommes“, meldet er sich. „Guten Morgen, Frau Bachhuber.“

Stille.

„Frau Bachhuber. Mir geht das Treffen mit ‚T‘ nicht aus dem Kopf. Wollte sich Ihr Mann möglicherweise mit Ihnen treffen?“ Sie räuspert sich.

„Am Freitag steckte ein Brief von Markus in meinem Briefkasten. Er wollte sich am Samstagabend mit mir treffen. Aber er kam nicht.“

Bommes horcht auf.

„Er wollte zu Ihnen nach Hause kommen?“

„Nein, oben an der Ruine“

….

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Donnerstag

Auszug aus Kapitel 1 …..

Donnerstag

Theresa Bachhuber steigt aus ihrem kleinen Suzuki.

„Tim, Leonie, aussteigen“, sagt sie und öffnet die hintere Tür.

Der 7jährige Tim hopst schon auf den Fußweg, während die 5jährige Leonie noch ihren Teddy und ihr Lieblingsbilderbuch einsammelt. Theresa Bachhuber nimmt indessen die Einkaufskörbe aus dem Kofferraum. Es ist nur ein kleiner Einkauf. Frisches Brot und Obst sowie Zutaten für die Lasagne, welche sie heute Abend mit den Kindern kochen will. Tim flitzt schon ums Haus in den Garten. „Erst umziehen!“, ruft ihn seine Mutter nach.

 

Als sie die Körbe in der Küche abgestellt hat, geht sie nochmal zum Tor an den Briefkasten. Das aktuelle Amtsblatt und zwei Briefe. Der erste scheint nur Infopost zu sein, der zweite ist per Hand adressiert. Sie stutzt und dreht ihn um.  Die Handschrift kommt ihr sehr vertraut vor. Ja, er ist von Markus. Ihr Mann ist vor ca. einem halben Jahr plötzlich ausgezogen. Auch damals lag früh nur noch ein Brief auf seinem Kopfkissen. Ihr Puls beschleunigt sich. Sie ist hin und her gerissen zwischen sofort aufreißen und ihn ungelesen in die nächste Ecke werfen. Theresa ist immer noch wütend und enttäuscht von ihm. Was will er, denkt sie und geht wieder hinein.

…..

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