Sonntag, 14. Oktober 1962

 

Die Kartoffelferien habe ich glücklich hinter mich gebracht. Im Großen und Ganzen war es mal etwas Anderes. Trotzdem haben mich die Kartoffeln zum Schluss angekotzt.

Doch jetzt will ich einige Einzelheiten bringen. Da ich kein Tagebuch mithatte, muss ich das aus dem Gedächtnis bringen:

Losgefahren sind wir mit einem Bummelzug bis Großenhain. Dort begaben wir uns auf schnellstem Wege zu dem einzigen Bus, der da war (sonst waren nur noch LKW’s da!) Wir waren ungefähr 40 Boys. 20 ließen wir in Kmehlen, 10 Mann kamen nach Laubach und der Rest nach Gävernitz. Ich war unter denen in Laubach. Wir waren ein netter Haufen.

Als erstes wurden wir in unsere Quartiere eingewiesen. Wir lagen alle privat. Eine Schau war das. Das war auch das einzige Beste.

Von der Arbeit gibt es nicht viel zu berichten. Es ist mit der größte Mist, den ich kenne.

Am Abend quatschten ein paar von uns ein Mädchen aus dem Dorfe an. Ich kam zu ihnen. Wir unterhielten uns alle mit ihr. Eigentlich wollten wir sie einladen für unsere Antrittsparty am Abend, aber sie durfte nicht. Dann musste sie Milch holen gehen. Erst wollten wir ja alle mitgehen, aber dann blieb ich mit Holger H. alleine bei ihr.

Als erstes versuchte ich ihr abzugewöhnen, „Sie“ zu uns zu sagen. Übrigens, sie hieß Annerose. Ihre Mutter kannten wir ja vom Felde her. Sie lud uns dann mit nach oben ein. Ihre Oma erzählte uns viel von den Russen und vom Dorfe. Das war ganz schön interessant, aber wir waren ja nur Annerose wegen mit oben. Ich habe Annerose öfter angelächelt.  Ich war mir doch meiner Sache sicher.

Am nächsten Tag verabredete ich mich mit ihr wieder zum Milch holen. Da Holger H. nicht da war, habe ich ihn damit ausgespielt. Er war nicht sehr darüber begeistert. Am dritten Abend versuchte ich sie zu küssen. Davon wollte sie aber noch nichts wissen. Erst am nächsten Tag (Donnerstag) durfte ich sie zum Abschied küssen. Wir sahen uns das letzte Mal am Freitag früh. Da habe ich sie auch noch einmal geküsst. Schlecht ist das Mädchen nicht. Mal sehen, ob es morgen klappt, dann werde ich ihr schreiben. Sie macht sich sicherlich viel Hoffnung auf mich, denn sie schenkte mir noch eine Kette mit einem Herz, worauf geschrieben stand „Vergiss mich nicht“. Vielleicht fahre ich mal hin. Am 11. November ist dort Kirmes. Mals sehen, was sich machen lässt.

No Comments

About the Author

Kommentar verfassen