Freitag, 18. Oktober 1963

Buch NEUN

Freitag, 18. Oktober 1963

 

Gedanken zur Berufswahl

 

Unser Stabülehrer (Herr Pfannkuchen!) hat uns schon die Mitteilung gemacht, dass wir am kommenden Mittwoch eine nochmalige Aussprache über die Militärlaufbahn haben, Ich bin jetzt gar nicht mehr so abgeneigt. Vielleicht ist es das richtige für mich. Wer weiß? Mit Sylvia muss ich wirklich nochmal ernsthaft darüber sprechen. Das hebe ich mir für morgen auf.

Gedanken zur Berufswahl

Wenn ich zur Armee gehe, dann muss ich auch wissen, ob ich auch 360,00 DM monatlich bekomme und ob ich auch mit dem Kfz-Ingenieur abschließen kann. Ist das nicht gewährleistet, so muss ich mir einen anderen Weg suchen. Vielleicht bekommt man einen kleinen Vorteil beim Abitur dadurch. Naja, wollen wir doch mal sehen. Ich kann mir das Leben ganz gut vorstellen. Aber es kommt doch immer etwas Unvorhergesehenes dazwischen. All diese Schwierigkeiten wollen erst einmal bewältigt sein.

Ich denke doch, dass Sylvia mir dabei eine Stütze sein wird. Hoffentlich zerbricht sie nicht, bei den großen Anstrengungen, wenn sie auf sich gestellt ist. Jetzt hat sie bei all den anstehenden Fragen ihre Eltern. Als Mutter von zwei reizenden Kindern (höchstens!) kann ich sie mir eigentlich noch gar nicht vorstellen. Ich habe mich jetzt mal mit ihr darüber unterhalten. Fremde Kinder regen sie auf, sagt sie, z.B. wenn wir bei meiner Schwester auf dem Weißen Hirsch zum Geburtstag sind. Wer weiß, wie das bei eigenen Kindern ist.

Ich könnte mir ein Leben ohne Sylvia gar nicht vorstellen. Sie gehört einfach in meinen Lebenslauf hinein so wie meine Mutti, meine Schwestern usw. Wenn sie jetzt plötzlich nicht mehr da wäre, dann würde sie ohne Zweifel sehr fehlen. Solche starken Liebesgefühle wie ich sie damals hatte, gibt es jetzt bei mir nicht immer. Ab und zu schon, z.B. jetzt nach dem Kino. Wird das nun im Leben immer so sein? Hoffentlich nicht. Wie würde denn mein Tagesablauf aussehen, wenn ich bei der Armee bin? Früh zeitig raus, den ganzen Tag arbeiten, abends dann müde von der Arbeit zurückkehren. Dann möchte man sich etwas mit dem Kind unterhalten und zu Guter letzt ist man mit seiner Frau noch etwas allein. Fernsehen, Ins-Theater-gehen, Ins-Kino-gehen würde die Zeit ausfüllen. Feiertage sowie Sonntage würden Abwechslung in mein Leben bringen. Auch Urlaub ist eine nette Abwechslung. Viel Zeit ginge für die Erziehung des Kindes verloren, denn schließlich soll es ja gut erzogen sein. Dass es einmal in der Schule gescheit wird, ist doch klar, bei der Mutter! Das hat mir bei Sylvia schon immer imponiert!

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Bericht vom 1. Juli 1963

Buch NEUN

Bericht vom 1. Juli 1963

 

Nun fange ich schon das neunte Tagebuch ein.

Wenn man meine anderen acht Werke liest, benötigt man viel Zeit. Es steckt aber auch viel Zeit und Arbeit darin. Aber es hat sich gelohnt. So manches hätte ich bestimmt schon vergessen. Einiges könnte mir aber auch zum Verhängnis werden, wenn es in falsche Hände geriete. Da stehen doch Sachen drin, die nicht für jedermann bestimmt sind. So zum Beispiel in den ersten Tagebüchern die Liebesgeschichten, nun ja, das war noch harmlos und ist verjährt, aber später wird es schlimmer. Offen habe ich selten etwas eingeschrieben, meist nur so, dass nur ich die Bedeutung der Worte erkennen kann.

Wenn man in seinem ganzen Leben so ein Tagebuch führt, bekommt man eine stattliche Anzahl von Werken, die einen eigenen Bücherschrank benötigen. Aber so weit ist es ja noch nicht.

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